The Art Of Sound Hacking
Mit „Home Made Sound Electronics“ wird zumeist jene Kunstfertigkeit angesprochen, den banalsten Geräten der Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik ungewohnte Klänge, ja sogar ganze Kompositionen zu entlocken. Der Eingriff mittels Lötkolben im Hardware Hacking ist dabei nur eine Methode unter einer Fülle von künstlerischen Gestaltungsprinzipien.
Der Home Made Bereich ist eine mögliche Antwort auf die etablierte, nach Imitation und klangliche Perfektion strebende Musikindustrie und wahrscheinlich nicht minder ein Befreiungsversuch der Protagonisten, sich von den standardisierten Geschmacksdogmen und der Reproduzierbarkeit zu lösen, indem die Musikentwicklung in den Grenzbereich von Klang und Geräusch katapultiert wird. Die Strategie der Zweckentfremdung bringt damit jeden erdenklichen Alltagsgegenstand zum Tönen und biegt ihn als vorübergehendes Instrument zurecht. So werden selbst ausgediente Veteranen des technologischen Zeitalters wie Nadeldrucker für eigens kreierte Symphonien angesteuert.
Darüber hinaus versprechen ungewöhnliche Sound-Quellen für Sampling-Techniken, Circuit Bending oder selbstgebaute Instrumente eine Normverletzung gängiger Hörgewohnheiten und Anwendungsformen. Die Frage stellt sich dabei, ob bestimmte Techniken nicht Gefahr laufen, lediglich rein experimentellen Charakater mit geringer (künstlerischer) Halbwertszeit zu entwickeln. Dient die Musik nur als Vehikel der technischen Vorführung und Versuchsanordnung oder entstehen tatsächlich innovative Soundwelten, die nur aufgrund der verwendeten Mittel so entstehen konnten. Schliesslich kann auch die Enthüllung über die Klang-Herkunft und das Wissen von Produktionsweisen das kreative Potential in der Wahrnehmung der Hörers auf- oder abwertet werden. Worin liegt also der Mehrwert bei kreativen Techniken angesichts der Subversion und Aneignung in den Klangkarambolagen des Bootlegging und warum ist nicht jeder „Für Elise“ spielende Scanner ein orginärer Komponist?
Anhand einiger Film-, Bild- und Musikbeispiele widmete sich der Vortrag den Spielregeln des Sound-Hackings und den Problemen, die mit der Verbindung von Innovation und künstlerischer Kreativität einhergehen.
U.a. mit Voice Crack, The User, Quarta 330, Modified Toy Orchestra, George Coleman, Slave One, Fe-mail.
Der Vortrag wurde in dieser Form am 23.05. zum ersten Mal auf der SIGINT 2009 gehalten und wird weiter ausgebaut…